Jan Dobinsky und Jelena Vogel über die Steuerrisiken bei Amazon-Warenlagerung

Rechtssichere Verwendung von ausländischen Warenlagern

70 Prozent des Warenumschlags im Online-Handel stellen über elektronische Marktplätze vermittelte Lieferungen dar. Die Marktführerschaft liegt dabei mit Abstand bei Amazon. Je nach Studie variiert der Marktanteil von Amazon im Marktplatzhandel in Deutschland zwischen 40 und 50 Prozent. Was aus umsatzsteuerlicher Sicht bei ausländischen Warenlagern zu beachten ist und wie Steuerrisiken vermieden werden können, wird im Folgenden dargestellt.

 

 

1.     Amazon Programme

Amazon-Händler können grundsätzlich entscheiden, wie die Versandabwicklung ablaufen soll. Die Teilnahme an solchen Amazon Programmen hat maßgebliche Auswirkungen auf die umsatzsteuerliche Einstufung der Lieferungen. Im Folgenden werden die beiden wichtigsten Amazon Programme tiefer beleuchtet.

1.1         Amazon CEE

Amazon bietet Marktplatzhändlern seit geraumer Zeit finanzielle Anreize zur Verwendung seiner ausländischen Warenlager. Im Rahmen von Amazon CEE werden die Waren des Händlers neben Deutschland in Polen und Tschechien gelagert. Dies hat den Vorteil, dass in diesen Ländern die Lagerkosten geringer sind als in Deutschland. Konkret gewährt Amazon bei der Verwendung von Amazon CEE den Händlern eine Ersparnis von 50 Cent pro Lieferung. Somit spart beispielsweise ein Händler mit 15.000 Paketen pro Monat 7.500 Euro.

1.2         Amazon-Pan EU

Das Pan EU Programm stellt eine Erweiterung des CEE Programms dar. Neben den Logistikstrukturen in Deutschland, Polen und Tschechien stehen dabei die Länder der folgenden Amazon-Marktplätze als zusätzliche Vertriebskanäle im Fokus:

  • Frankreich
  • Spanien
  • Italien

Damit Kunden in diesen EU-Staaten nicht zu lange auf Ihre Bestellungen warten müssen, werden die Waren von Amazon je nach Nachfrage in die einzelnen Länder umgelagert.

 

2.     Umsatzsteuerliche Behandlung

Aus umsatzsteuerlicher Sicht handelt es sich bei der Umlagerung beispielsweise von einem deutschen Amazon Lager in ein polnisches Lager um eine sog. Verbringung.  Eine Verbringung wird in die folgenden beiden Transaktionen unterteilt:

  • Innergemeinschaftliche Verbringung in dem Land, in dem die Lieferung beginnt
  • Innergemeinschaftlicher Erwerb, in dem Land, in dem die Lieferung endet

Beide Transaktionen sind den entsprechenden Finanzämtern zu melden. Im Folgenden werden die beiden Transaktionen näher beleuchtet.

2.1         Innergemeinschaftliche Verbringung

In dem Land, indem die Lieferung beginnt, ist eine innergemeinschaftliche Lieferung zu erklären. Eine innergemeinschaftliche Lieferung ist grundsätzlich steuerfrei. Zu berücksichtigen ist, dass eine sog. Pro-Forma-Rechnung benötigt wird.

2.2         Innergemeinschaftlicher Erwerb

In dem Land, indem die Lieferung endet, ist ein innergemeinschaftlicher Erwerb zu erklären. Im Unterschied zur innergemeinschaftlichen Verbringung ist ein innergemeinschaftlicher Erwerb nicht steuerfrei. Das bedeutet, dass der innergemeinschaftliche Erwerb im Bestimmungsland mit dem Steuersatz des Landes steuerpflichtig ist. Im gleichen Moment hat der Händler einen Vorsteueranspruch. Als Ergebnis gleichen sich die Steuerpflicht und der Vorsteueranspruch aus, womit die zu zahlende Umsatzsteuer 0 beträgt. Obwohl dies der Fall ist, muss trotzdem ein innergemeinschaftlicher Erwerb erklärt werden. Durch diese Meldung weiß das Finanzamt, dass ein Gegenstand in dem Land gelagert wird.

 

3.     Compliance

Bevor ausländische Warenlager verwendet werden, sollten verschiedene Compliance-Themen berücksichtigt werden.

 

3.1         USt-IDs

Bevor die erste Verbringung in ein ausländisches Warenlager erfolgt, muss sich der Händler in diesem Land registriert haben. Durch die Registrierung erhält der Händler eine USt-ID des jeweiligen Landes.

 

3.2         Pro-Forma-Rechnung

Jede Verbringung muss durch eine sog. Pro-Forma-Rechnung dokumentiert werden. Eine Pro-Forma-Rechnung ähnelt einer klassischen Rechnung. Konkret ist eine Pro-Forma-Rechnung eine Rechnung an sich selbst. Eine Pro-Forma-Rechnung muss grundsätzlich die Pflichtangaben einer klassischen Rechnung enthalten. Zu berücksichtigen ist, dass die Pro-Forma-Rechnung die USt-IDs vom Händler der Länder enthalten muss, in dem die Lieferung beginnt und in dem die Lieferung endet. Eine Zahlungsaufforderung, wie es in klassischen Rechnungen enthalten ist, ist nicht notwendig.

 

3.3         Zusammenfassende Meldung

Die Verbringung muss in der sog. Zusammenfassenden Meldung des Landes erklärt werden, in dem die Lieferung beginnt.

 

4.     Umsatzsteuerrisiken

Wenn beispielsweise der deutsche Händler den Vorgaben der Finanzverwaltung nicht nachkommt und zum Zeitpunkt der Lieferung keine gültige USt-ID in dem Land hat, in das die Ware verbracht wird, ist die Lieferung grundsätzlich in Deutschland steuerpflichtig. Im Folgenden wird das Umsatzsteuerrisiko anhand eines Beispiels dargestellt.

 

Beispiel:

Ein Amazon-Händler mit 5 Millionen Euro Jahresumsatz, der am Pan EU Programm teilnimmt und über keine steuerlichen Registrierungen in den anderen fünf EU Staaten (FR, ES, IT, PL und CZ) verfügt, wird abhängig von der Frequenz der Umlagerungen durch Amazon 500.000 bis 750.000 Euro Umsatzsteuer auf seine innergemeinschaftlichen Verbringungen zahlen müssen.

 

5.     Fazit

Die Teilnahme an Amazon CEE oder an Amazon-Pan EU hat für Händler verschiedene Vorteile. Bevor eine Ware in ein ausländisches Warenlager umgelagert wird, sollten unbedingt vor der Lieferung die umsatzsteuerlichen Auswirkungen überprüft werden. Ansonsten kann der Vorteil, der sich aus den Amazon Programmen ergibt, schnell durch Steuerrisiken aufgefressen werden.

 

 

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